Geschichten aus dem Freundeskreis

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Khaled Al-Saai, Syrien – der Garten der Geschichte, Museum für Islamische Kunst, SMB

ICH UND MEIN MUSEUM ... ICH VERMISSE ...

Eine Geschichte von Rolf Brockschmidt
Es ist eines der ungewöhnlichsten Objekte im Museum für Islamische Kunst – und ein wegweisendes dazu. „Syrien – der Garten der Geschichte“, eine acht mal zwei Meter messende Großkalligraphie des syrischen Meisters Khaled Al-Saai, hängt rechts oben im Mschatta-Saal an der Stirnwand. Auf den ersten Blick ein Bildgewitter aus arabischen Schriftzeichen, ähnlich komplex wie das in Stein gehauene Muster der Fassade von Qasr Al-Mschatta, mit der das großformatige Gemälde in einen reizvollen Dialog tritt. Die Fassade erfordert vom Betrachter auch ein wenig Zeit, um die einzelnen Motive zu entschlüsseln. Ähnlich ist das bei Khaled Al-Saai, der dieses Bild als Artist in Residence im vergangenen Jahr gemalt hat. Auch wenn man kein Arabisch lesen kann, kann man sich auf das Bild einlassen. Al-Saai malt das, was für ihn im Moment unerreichbar ist. Bei genauerem Hinsehen erkennt man unter den Schriftzeichen Fragmente von Fotos, bedeutende Orte Syriens und ihren Beitrag zum Weltkulturerbe wie etwa Damaskus, Palmyra, Aleppo. Er kombiniert seinen syrischen Kosmos mit großen und kleinen Schriftzeichen, Wörtern, Ortsnamen, Gedichten. Faszinierend, wie Kalligraphie und Malerei hier etwas Neues bilden. Dass dieses Werk im Mschatta-Saal hängt, unterstreicht die Ambition des Museums, auch die Kunst des 21. Jahrhunderts in die Sammlungstätigkeit einzubeziehen. Man braucht Zeit, um die 16 Quadratmeter syrischer Geschichte in sich aufzunehmen.

 

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Beschlag, 11./12. Jahrhundert, Ägypten, Ident.Nr. I. 6375, Museum für Islamische Kunst, SMB

ICH UND MEIN MUSEUM ... ICH VERMISSE ...

Eine Geschichte von Peter Heine
Im Frühjahr 1975 sagte meine Frau: „Du warst in Baghdad, Damaskus, Istanbul, Kabul, Teheran und wer weiß noch wo, aber noch nie in Berlin. Da fahren wir nächste Woche hin!“ Gesagt, getan. Meine Frau kannte West-Berlin von früheren Besuchen und war eine kenntnisreiche Führerin. Natürlich besuchten wir auch das Museum für Islamische Kunst. Zu der Zeit war ich intensiv mit der Recherche zu meiner Habilitationsschrift zum Weinbau und Weinkonsum in vor-modernen arabisch-islamischen Gesellschaften befasst. Ich war begeistert, als ich die Elfenbeinarbeiten mit den Bankett- und Jagdszenen aus dem Ägypten des 11./12. Jh. sah. Sie bestätigten meine Einschätzung, dass bis zum 15. Jh. die Prohibition von Wein weniger strikt war als später. Wenn ich jetzt in das Museum komme, gehe immer zu den Elfenbeinplatten und freue mich über diesen Beleg für Liberalität und Lebensfreude.

 

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Schale (Gefäßkeramik), 9./10. Jh., Ident.Nr. I. 26/60, Museum für Islamische Kunst (SMB), Foto: J.Kramer

ICH UND MEIN MUSEUM ... ICH VERMISSE ...

Eine Geschichte von Katja Sidim

Ganz allgemein gesagt: Ich vermisse es durch das Museum gehen zu können. Von Saal zu Saal zu schlendern und diese Vielzahl wunderbarer Objekte zu betrachten. Mich zu verlieren im unendlichen Rapport der Dekore, die Teppiche, Bauelemente oder Alltagsgegenstände gleichermaßen schmücken. Staunend ob der Kunstfertigkeit vor Miniaturen, Messingobjekten oder Elfenbeinschnitzereien zu verweilen, mich mit meinen sehr rudimentären Sprachkenntnissen in der Entzifferung arabischer Inschriften zu versuchen. Kurz gesagt, ich vermisse es neugierig, staunend und ja, manchmal träumend die Sammlung bei jedem Besuch immer wieder aufs Neue zu erkunden. 

Die Kunst der arabischen Kalligraphie hat es mir dabei besonders angetan, ganz gleich ob im kursiven Nashi oder in der eckigen Kufi-Schrift, letztere schmückt eines meiner liebsten Objekte, eine Schüssel aus dem 10. Jahrhundert, aus Usbekistan oder dem Iran?

Recht bescheiden wirkt diese Schale, in einer Vitrine zwischen anderen Keramiken in unmittelbarer Nachbarschaft zur Mihrab aus Konya. Eine schlichte weiße Keramik, entlang des Randes eine Inschrift so kunstvoll gesetzt, dass der flüchtige Betrachter es für ein Dekor halten könnte. Ist es dass, was mich so begeistert? Oder ist es die Schlichtheit des Objekts? Immerhin ist diese Schale, von deren Art es weitere gleichen Stils auch in anderen Museen gibt, aber nach meinem Empfinden nicht annähernd so gelungen sind, wie die in Berlin befindliche, immerhin ist diese Schale fast 1000 Jahre und keineswegs alt, sondern zeitlos schön. Zeitlos wie der Spruch, der den Rand ziert: ”Der Freie ist frei, selbst wenn ihn ein Verlust trifft. Viel Glück!” 

 

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Moscheeampel (Lampe), Anfang 14. Jahrhundert, Ident.Nr. I. 2572, Museum für Islamische Kunst (SMB), Foto: J.Kramer

ICH UND MEIN MUSEUM ... ICH VERMISSE ...

Eine Geschichte von Rolf Brockschmidt

Ein eigenartiger Zauber geht von diesem Objekt aus. Auf den ersten Blick sieht es zunächst aus wie eine wunderbar gestaltete Blumenvase, doch es ist weit mehr: eine Moscheelampe aus der Zeit der Mamluken. Schon als reines Glasobjekt fasziniert die Kunstfertigkeit der syrischen oder ägyptischen Glasbläser des frühen 14. Jahrhunderts. An sechs Ösen hing diese Lampe in einer Moschee und man ahnt, welch mildes Licht aus dem eingelassenen Öllämpchen durch das goldgelbe Glas strahlte. Eine Herausforderung für die Handwerker muss die Kalligrafie gewesen sein, denn in einem bestimmten Stil zu schreiben ist schon auf Papier eine große Herausforderung. Nun aber die Schrift im Tuluth-Stil mit ihren großen Oberlängen auf das Glas zu bringen, erforderte großes Geschick. Der Tuluth-Stil wurde gerade wegen seiner großen Oberlängen gerne als Zierschrift in mamlukischer Zeit für Moscheen genommen. Der blaue Schriftzug am oberen Rand ist laut Jens Kröger der Lichtvers aus dem Koran, Sure 24, Vers 35: „Gott ist das Licht der Himmel und der Erde“. Der goldene Schriftzug auf dem Bauch der Lampe nennt den Namen des Mamluken-Sultans An-Nasir Muhammed, der mit einer Unterbrechung fast 40 Jahre lang geherrscht hat. Die Lotusblüten lassen auf fernöstliche Einflüsse schließen, ein Beweis mehr für den engen Kontakt der Kulturen, den es immer gegeben hat. Die Lampe erinnert mich an einige Moscheen, die ich besuchen konnte, die Umayyaden-Moschee in Damaskus, die Mezquita von Córdoba oder auch die Blaue Moschee in Istanbul. Auch wenn diese Moscheen aus anderen Epochen stammen, so weckt doch der Anblick dieser Moscheelampe Erinnerungen an längst vergangene Reisen.

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Foto: Nedal Daghestani

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH LIEBE ...

Eine Geschichte von Nedal Daghestani طاسة الرعبة - Panik-Schale

Ich kann mich sehr genau an die Tante meines Vaters erinnern. Sie besaß ein schönes traditionelles altes Damaszener Haus im Alten Viertel von Damaskus „Souq Sarouga“ سوق ساروجة. Wir besuchten sie dort in den sechziger Jahre und damals war sie schon über 100 Jahre alt (Schätzungen zufolge). Ich kann mich entsinnen, dass die Tante, wenn sie badete, stundenlang Zeit im Bad verbrachte und alle sagten belustigt: „Wir hoffen, sie benutzt zum Baden nicht ihre kleine Panik-Schale!“ Die Schale stammt also von der Tante und sie soll sie von ihrer Mekka Pilgerfahrt mitgebracht haben. Hergestellt ist sie aus versilberten Messing, verziert mit Pflanzen und Symbolen. Die Innenseite ist mit Koranversen versehen, die jedoch sehr verblast sind.

Warum heißt die Schale Panik-Schale? Die Schale gehört in jeden Haushalt in Syrien und wird vorzugsweise erschrockenen Kindern mit Wasser zum Trinken angeboten, die ein schlechtes Erlebnis oder einen Albtraum hatten. Der Schale werden beruhigende Kräfte und Wirkungen nachgesagt, da das Wasser mit den Koranversen in Berührung kommt. Und wir als Kinder haben dran geglaubt und tranken (heimlich) aus der Schale zu jedem Anlass, z.B. vor wichtigen Klausuren oder Fußballspielen. Die beste Wirkung soll erzielt werden, wenn zum Wasser einige Tropfen Rosenwasser hinzugegeben werden. Sie wird in der Regel aus Metall, Messing oder Silber hergestellt. In der alten traditionellen arabischen Medizin soll die Schale gar gegen Angst und Depression eingesetzt worden sein. Die Schale und ihre Nutzung sind im Nahen Osten sehr verbreitet, auch in den Kulturen des Zweistromlandes Mesopotamien soll sie zu finden sein.

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Foto: Rolf Brockschmidt

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH LIEBE ...

Eine Geschichte von Rolf Brockschmidt

Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich diesen Untersetzer mit dem Tulpendekor im Schaufenster unseres türkischen Möbelladens zwischen all den Designer-Accessoires liegen sah. Ich ging in den Laden und fragte, woher das Muster stammte: Aus Iznik, dem antiken Nicea, sagte mir der Händler und freute sich über mein Interesse. Er hatte noch mehr Muster. Vor allem die Tulpen erfreuten sich bei den Osmanen großer Beliebtheit, mehr als 1000 Sorten waren bekannt und gelangten als diplomatisches Geschenk zunächst über einzelne Diplomaten in die Niederlande, wo sie dann mit dem bekannten Erfolg zunächst im Botanischen Garten von Leiden kultiviert wurden.

Iznik steht heute auf der provisorischen Welterbeliste der UNESCO, seine Keramikwerkstätten erlebten  besonders im 16. und 17. Jahrhundert ihre Blütezeit. Natürlich sind meine Untersetzer keine Antiquitäten, aber sie sind unter der Glasur signiert. In Iznik scheint man diese osmanische Tradition auch heute noch zu pflegen, vielleicht ähnlich, wie es mit dem Delfter Blau in den Niederlanden geschieht. Auch die Iznik-Keramik wurde wie das Delfter Blau von dem chinesischen Blau-Weiß-Porzellan inspiriert.

Im Museum für Islamische Kunst entdeckte ich dann die Vielfalt der Iznik-Keramik, Teller, Fliesen und Fliesenfragmente – das Dekor wurde gerne auch für die Baukeramik genutzt. Rund 200 Objekte sind in der Online-Datenbank von smb-digital zu bewundern, Beispiele einer meisterhaften Keramik, deren Muster bis heute genutzt werden. Und neuerdings finden sich Iznik-Dekore auch im Museumsshop in der James-Simon-Galerie.

Iznik-Keramik, Untersetzer mit Tulpen, Durchmesser 16 cm, 21. Jahrhundert

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Foto: Stephan Kurr

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH LIEBE ...

Eine Geschichte von Stephan Kurr
Wie sooft beginnt die Geschichte vor vielen Jahren, als man noch jung und abenteuerlustig war, am Ende des Studiums, irgendwo im heute kaum noch bereisbaren Orient. In meinem Fall befinden wir uns im Winter der Jahreswende 1991-92. Mit einem Reisestipendium des DAAD (deutscher akademischer Austauschdienst) war ich damals im Jemen unterwegs. Ich wohnte in Sana’a, reiste irgendwann mal nach Sada an der saudischen Grenze, sah den Teppich und wie in der Jugend oft üblich, hatte ich wenig Geld und kaufte den Teppich nicht. Zurück in Sana’a ging mir der Teppich nicht mehr aus dem Kopf. Ich hatte schon andere Kriegsteppiche in Abbildungen gesehen, Gebetsteppiche mit Kalaschnikow-Motiven gab es auch hin und wieder im Jemen zu sehen, aber dieser hatte vieles was ihn zu einem Kunstwerk machte: Die Idee auf einer Landkarte eine detaillierte Liste von Landminen abzubilden. Alle Typenbezeichnungen sind real, wie in einem Katalog, es sind Minen sowjetischer Bauart aus den 80er Jahren. Wie Sie annehmen dürfen, reiste ich bald wieder nach Sada. Der Teppichhändler ließ kein bisschen mit sich handeln. Heute liegt der Teppich meistens unterm Sofa. Für eine heimische Dauerausstellung ist er mir zu makaber, aber ab und zu, wie auch heute, wird er ausgerollt.

Kriegsteppich, 150x90cm, Afghanistan, Mitte/Ende 80er Jahre, erworben 1991/92 in Sada, Jemen

 

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Foto: Nadia Nagie

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Eine Geschichte von Nadia Nagie
Vor dem Krieg führen mich jährliche Reisen zu meiner syrischen Familie nach Damaskus und ich verbrachte viel Zeit in den Häusern und Wohnungen meiner Verwandten. Im alten arabischen Haus meiner Cousine Maha Nagie, die heute im nördlich der Altstadt gelegenen Stadtteil Rukn el-Din in Damaskus lebt, befanden und befinden sich noch immer wahre Schätze aus dem Erbe ihrer Großmutter Aischa, u.a. mit Intarsien belegte Schränke, Kommoden, Stühle im Damaszener Stil und einige auffällige Gefäße aus altem Messing. In der hintersten Ecke ihrer Küche stand in einem Regal damals ein großes ungeputztes bauchiges Gießgefäß mit dünnem Ausguß, das ich - sobald ich die Küche betrat – immer sofort bewundernd in den Blick nahm. Es handelt sich um eine Wasserkanne aus Messing, die in privaten Haushalten der Reinigung der Hände zur Verfügung stand. Die wohlgeformte Kanne mit einem zarten langen Schnabel, die Ibriq genannt wird, steht auf einem herausnehmbaren Sieb. Das Sieb ist von einer tiefen Messingschüssel umgeben, die das nach dem Händewaschen ablaufende Wasser auffängt. Am Abend vor einer Rückreise nach Deutschland Mitte der 1990er Jahre schenkte mir meine Cousine die alte Kanne mit den Worten: „Dieser Ibriq gehörte unserer Großmutter und sie freut sich, wenn du ihn in deinem Haus zur Erinnerung an sie aufstellst.“ Der alte leicht verbeulte Ibriq hat in meinem Haushalt einen Ehrenplatz und erinnert mich an meine Großmutter Aischa Dubusch und an meine zahlreichen Aufenthalte in Damaskus in meiner Familie.

 

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Foto: Nadania Idriss

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A story from Nadania Idriss (Berlin Glas e.V.)
This little lamp is part of the Mamluk-revival that was popularised in the 19th century and made in Syria for export to Europe. It has a rounded body, without a foot, and embellished with bands and cartouches with geometric decoration and pseudo-Arabic script. It was bought at an auction at the Hotel Drouot in Paris in 2003, and made it’s way to Berlin with me in 2005. In 2010, it was proudly featured in the exhibit "Vorsicht Glas! Zerbrechliche Kunst 700-2010” at the Museum for Islamic Art (Pergamon Museum). When it’s not busy being exhibited, it sits happily at home next to the Bavarian-based sculptor Gerhard Ribka’s work.

Mosque Lamp, Syria, 2. Half of the 19th Century

 

 

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Foto: Rolf Brockschmidt

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH LIEBE ...

Eine Geschichte von Rolf Brockschmidt
Eine Antiquität ist sie nicht unbedingt, diese „Dallah“ genannte Kaffeekanne, aber für mich birgt sie viele Erinnerungen. Ich habe sie 1974 blitzblank bei einem Kupferschmied im Suq al-Hamidiya in Damaskus unweit der Umayyaden-Moschee gekauft. Ich war damals Student und als Scherbenzeichner mit auf einer Ausgrabung der Universität des Saarlandes im Libanon inKāmid el-Lōz in der Biqa-Ebene. Unser erster Ausflug am Wochenende ging nach Damaskus. Eine faszinierende Stadt, ganz anders, als das quirlige moderne Beirut. Natürlich wollte ich die Kanne nicht nur als Souvenir, sondern ich wollte damit auch später zu Hause arabischen Kaffee kochen. Unser libanesischer Zeichner brachte mir in unserem Grabungsquartier auf dem Gaskocher bei, das Verhältnis von Zucker, Kardamom und Kaffee und Wasser zu finden. Die entsprechenden kleinen Porzellantassen, schon damals „Made in China“, habe ich mir ebenfalls mitgebracht. Ich habe diese Kanne oft benutzt, viel Kaffee gekocht, heute nehme ich den Kaffee Najjar mit Kardamom und zelebriere so mein Kaffeekochen etwas bequemer am heimischen Gasherd. Daher hat meine Kanne inzwischen diese Patina angesetzt. Wenn ich sie zu besonderen Gelegenheiten benutze, denke ich zurück an Damaskus, an den quirligen Suq und die Gerüche und frage mich dann, was aus diesen Menschen wohl geworden ist. Nach Damaskus reisen ist leider nicht möglich, doch wenn der Duft des Kaffees aus der Kanne aufsteigt, kommen die Erinnerungen.

 

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Foto: Irene Fellmann

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH LIEBE ...

Eine Geschichte von Irene Fellmann
In das Armband habe ich mich als Studentin verliebt. 1980 habe ich es in Kairo im Khan al-Khalili entdeckt und 5 Tage lang mit dem Händler um den Preis gefeilscht, bis ich es mir leisten konnte. Das Armband wurde zum Grundstock meiner Sammlung von Silberschmuck aus der islamischen Welt, und obwohl viele wunderschöne Teile hinzugekommen sind, gehört es immer noch zu meinem Lieblingsschmuck.

Silberarmband mit Feuervergoldung, Rashaida-Stamm, Rotes Meer, 232 g, Durchmesser 7 cm, Höhe 5,8 cm; gekauft in Kairo 1980

 

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Foto: André Künkel

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH LIEBE ...

Eine Geschichte von André Künkel (Berliner Künstler)
Ich habe diese wunderbare Miniatur eines Philosophen auf Kamelknochen vor vielen Jahren während einer Studienreise in Iran erstehen können. Um genauer zu sein in Isfahan, nicht weit entfernt vom Abbasi Hotel, wo wir zuvor einen heißen Tee im Rosengarten genießen durften. Das passende Kleingeld für den Kauf musste ich mir sogar noch fix bei meinen Kommilitonen leihen, da wir schon am Ende unserer Reise quer durch den Iran mit Reisezielen wie Teheran, Yazd, Shiraz, Persepolis uvm. angekommen waren. Bis heute nimmt sie einen Platz in meinem Atelier ein und erinnert mich an diese ganz besondere unvergessliche Zeit. 

Hersteller: Fotowat Miniaturist Galleries, Höhe: 3cm x 2cm, Maße mit Rahmen: 12,8cm x 9,8cm x 1,8cm, Material: Kamelknochen

 

ICH UND MEIN OBJEKT ... ICH HABE EINE FRAGE ...

Fragen eines Mitglieds an den Freundeskreis

Beide Blätter habe ich vor Jahren im Kunsthandel in Süd - West-Deutschland erstanden, wobei ich mich zunächst einmal auf die Recherche des Ragamala-Blattes (Abbildung 1) konzentriert habe. Die Randdekoration faszinierte mich so sehr, dass das eigentliche Bild in den Hintergrund trat. Später erkannte ich über Umwege und mit Hilfe von Sekundärliteratur, dass es sich hierbei um eine anspruchsvolle Mughal Arbeit von einer Delhi Mal-Werkstatt um das Jahr 1780 handelt. Letztendlich fragte ich in der Yale University Art Gallery nach, ob es sich hierbei um ein Blatt aus der Ragamala-Serie, von denen diese eine beträchtliche Anzahl an Blättern besitzt, handeln könnte. Die Antwort war doch sehr vielversprechend. 

Die Kalligrafie (Abbildung 2) hingegen entdeckte ich erst kürzlich durch einen Zufall. Ich wollte das oben erstandene 2. Blatt von seinem Rahmen befreien, um es in einen m.E. schöneren Rahmen umzubetten. Dabei stellte sich heraus, dass sich hinter der bis dato sichtbaren persischen Miniatur aus dem späten 18. Jh., sich diese goldene Kalligraphie verbarg. Wahrscheinlich war es dem früheren Besitzer nicht bewusst, was er da besaß. Ich entschloss mich dieses Fragment mit Auszügen aus dem Qur´an anstelle der Miniatur hinzuhängen. Es strahlt für mich eine meditative Kraft aus, die mich in Ruhe versetzten kann, auch ohne Wissen des Inhalts.

Erst jetzt über Ostern hatte ich Zeit in Erfahrung zu bringen, um welche Passagen es sich hierbei handelt.

Mit den ersten beiden Zeilen kann ich dienen; dank des Internets:

1. Zeile: Sure 40 Gafir (der Vergebende) Anfang von Vers 67: huwa lladi halaqakum min turabin tumma min nutfatin … (Er ist es, Der Euch aus Erde erschaffen hat, hierauf aus einem Samentropfen...)

2. Zeile: Sure 40 Gafir (der Vergebende) Anfang von Vers 50: qalu a-wa-lam taku ta´tikum rusulukum bi-l-bayyinati.... (Sie sagen: Pflegten nicht doch eure Gesandten mit den klaren Beweisen zu euch zu kommen....)

Zeile: Sure 40 Ende Vers 77: na´iduhum´aw natawaffayannaka fa´ilayana Yurga´un (Wir Ihnen androhen, seheh lassen oder dich (vorher) abberufen, zu Uns werden sie zurückgebracht)

Bezüglich der Datierung und der Herkunft der Kalligraphie hätte ich an den Freundeskreis die Frage, ob sie mit meiner Einschätzung konform gehen?

Da das Mitglied gerne anonym bleiben möchte, schreiben Sie uns doch bitte eine E-Mail an info@fmik.de mit Ihren möglichen Antworten oder Rückfragen. Wir werden diese an das Mitglied weiterleiten.

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Privatbesitz, Ragini Saindhavi, Albumblatt Moghul Delhi um 1780 aus einem dispersed Ragamalazyklus.

Abbildung 1: Ragini Saindhavi, Albumblatt Moghul Delhi um 1780 aus einem dispersed Ragamalazyklus.

Zenana Szene, Prinzessin auf einer Terrasse mit 2 Dienerinnen. Im Hintergrund ein See mit Boot und einem europäisch anmutenden Schloss. Äußere Umrahmung mit goldumrandeten bunten Blumen, innere mit goldenen Blütenranken auf blauem Grund. Am oberen Bildrand mittig in nastalic Raga Saindhavi mit Gold geschrieben und unten mittig (Album) ebenfalls in schwarzer Tinte. Rückseitig in Devanagari Saindhavi und die Ziffer 4. Die meisten Blätter dieses Zyklus befinden sich in der Yale University Art Gallery Department Asia.

Bild: 21,4 x 12,6 cm; Blatt 45,5 x 29,5 cm

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Privatbesitz, Fragment dreier monumentaler Koranzeilen auf Karton montiert, 14. Jht.

Abbildung 2: Fragment dreier monumentaler Koranzeilen auf Karton montiert, 14. Jht. 

Arabisches Manuskript  auf cremefarbigen Papier im goldenem Muhaqqaq – Duktus, welcher schwarz umrandet ist. Diakritische Zeichen ebenfalls in Gold. Vokalzeichen und andere orthographische Hilfszeichen in Schwarz ( teils korrodiert) plus eine goldene, polychrome Rosette. Datieren würde ich das Blatt in die Mitte des 14. Jht. Iran. Ich habe es mit den beiden ähnlichen Folios bei Christies ( Art of the Islamic and Indian Worlds: 4. Oct. 2012, Lot104 und 9.Oct.2014, Lot 33 ) verglichen und komme zum Resultat, dass auch dieses Blatt einem Nachfolger des Kaligraphen Yahya bin Nasir wohl zuzuschreiben ist.

Blattgröße: ca. 22,5 cm x 19,8 cm

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c/o Museum für Islamische Kunst
Geschwister-Scholl-Strasse 6
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